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Martin Schemm: Interview

textzeichen: Herr Schemm, Ihr jüngster Roman „Todeskontakt“ ist ein Mystery-Thriller, der in Hamburg spielt. Worum geht es in dem Buch?
Schemm: In einer kleinen Hamburger Internet-Firma kommt es zu einer rätselhaften Todesserie. Eine Mitarbeiterin begeht scheinbar Selbstmord, andere Kollegen hingegen werden auf brutale, aber zugleich seltsam unmotivierte Weise ermordet. Der ermittelnde Kommissar Leo Gorski, der anfangs noch mit kriminalistischer Logik an die Sache geht, muss bald feststellen, dass es irgendwie nicht mit rechten Dingen zugehen kann. So zeigt zeigt sich vor allem auch, dass die vermeintlichen Mörder nicht das eigentliche Problem sind. Als Gorski die Hilfe der Parapsychologin Ellen Sandler in Anspruch nimmt, entdeckt diese in Gesprächen mit den Tätern und in Bibliotheksrecherchen die Spur einer entsetzlichen Bedrohung. Mit einem Mal beginnt ein dramatischer Wettlauf mit der Zeit ... Mehr will ich jetzt hier natürlich nicht verraten.

textzeichen: Wie sind Sie auf die Idee zu dem Roman gekommen?
Schemm: Tja, schwer zu sagen. Das berühmte Klick, mit dem einem Autor angeblich von einer Sekunde zur anderen alles klar vor Augen steht, hat es jedenfalls nicht gegeben. Es war vielmehr ein längerer Prozess, bei dem ich mir erst einmal die grobe Marschrichtung vorgeben und dann – wie bei einem Puzzle – einen Baustein zum anderen fügen musste. Es sollte ein Thriller werden, der wie ein „normaler“ Krimi beginnt und dann immer mehr ins Dämonisch-Phantastische abdriftet. Letztlich entscheidend war vor allem die Frage, wie man das surreale Element glaubwürdig in die Wirklichkeit eintreten lässt. 

textzeichen: Warum spielt der Roman in Hamburg? 
Schemm: Weil die Hansestadt seit vielen Jahren mein Lebensmittelpunkt ist, und ich aus unerfindlichen Gründen meine Storys immer an den Orten ansiedle, die eine persönliche Bedeutung für mich haben. Offenbar ist das meine Art, Nähe zu Orten zu entwickeln. Das gilt auch für meinen in Heidelberg spielenden Debütroman „Das Heidenloch“ und für sehr viele Kurzgeschichten, in denen ich Örtlichkeiten verewigt habe, die einen Eindruck bei mir hinterlassen haben. Im Fall von „Todeskontakt“ kommt noch hinzu, dass die surreal-phantastische Story gerade auf der Leinwand des sehr realen, modernen Großstadtlebens noch intensiver wirkt.

textzeichen: Seit wann sind Sie literarisch aktiv?
Schemm: Das war der Verdienst eines langen und trüben Jahres der Arbeitslosigkeit, das ich 1996 fristete. Nachdem ich mit Annoncenlesen und erfolgsarmen Bewerbungen viele Monate zugebracht hatte, merkte ich, dass mein ganzes Leben und insbesondere mein Geist langsam, aber sicher zu versanden drohte. Um etwas gegen den Verfall zu tun, griff ich damals eine alte, nie verwirklichte Idee auf, nämlich etwas zu schreiben. Es begann mit einer Kurzgeschichte, dann folgte schon „Das Heidenloch“. Tja, und als die Sachen auch noch gedruckt wurden, bin ich vom Schreiben nicht mehr los gekommen. Selbst als ich dann auch wieder in Lohn und Arbeit war. Heute ist es neben Familie und Beruf meine dritte „Säule“. Meine Frau und meine Tochter unterstützen mich dabei, wobei inhaltliche Dispute mit meiner Frau auch schon mal zu kleineren Ehezwistigkeiten führen können.

textzeichen: Sie arbeiten in der Hamburger Verwaltung im Bereich Datenschutz. Wie passt dieses real-bodenständige Berufsfeld zu Ihrem Schreiben im surrealen Phantastik-Genre? 
Schemm: Das ist wohl gerade das Spannungsfeld, das ich brauche. Denn genau in den nüchtern-realen Berufsalltag, in das ganz normale Leben, möchte ich das Phantastische eindringen lassen. Meine Storys und Romane wechseln meist ab einem gewissen Punkt aus der Realität ins Surreale. Der Alltag und seine Gesetze werden aufgehoben. Das mag einem Psychologen einiges über mich verraten, so in punkto Flucht aus der Wirklichkeit. 

textzeichen: Gibt es literarische Vorbilder oder Einflüsse, die Ihr Schreiben geprägt haben?
Schemm: Nun, die Bindung an die Phantastik zeigt sich auch in dem, was ich als Leser konsumiert habe und weiterhin konsumieren werde. Ich denke, daher kommen auch die Einflüsse für mein eigenes Schreiben. Jedes gelesene Stück Literatur, das der Frage nachgeht, was letztlich Wirklichkeit ist, hat einen Eindruck in mir hinterlassen. Das reicht von der klassischen Gothic Novel über die Phantastik der Frühmoderne bis hin zur Science Fiction. Autoren wie Poe, LeFanu, Blackwood, Lovecraft, Machen, Lem und Dick, aber auch Murakami und Moore haben sicherlich eine „Mitschuld“ an meiner literarischen Ausrichtung. Von Vorbild im Sinne eines idealen persönlichen Autorenwerdegangs würde ich allerdings nicht sprechen.

textzeichen: Woran arbeiten Sie gerade – gibt es neue Pläne?
Schemm: Nun, es gibt noch eine Handvoll Projekte, die in Schubladen schlummern und auf ihre Realisierung warten. Das sind teilweise Kurzgeschichten, aber auch der nächste Roman, den ich bereits vor einiger Zeit fertiggestellt habe. Das Besondere daran ist, dass er für mich persönlich ein Experiment darstellt, denn – im Gegensatz zu meinem eben noch abgelegten Phantastik-Bekenntnis – ist dieser Roman der erste Versuch, gänzlich auf Surreales zu verzichten. Es ist ein politischer Thriller, den ich irgendwie in mir hatte und unbedingt schreiben wollte. Mal sehen, was daraus wird ...

Das Interview führte textzeichen im September 2005 mit Martin Schemm.

 

 
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