Presse-Resonanz und Reaktionen zu
Gefunden im Kieler Stadtmagazin "station", Jg.
28/Nr. 6/01.06.2006
»Thriller« steht auf dem Titel, aber das beschreibt den Inhalt dieses Buches nur ungenügend. Martin Schemm stellt sein zweites Werk vor, das in Hamburg spielt. Und wieder - wie bei seinem Erstling »Heidenloch« - entspinnt sich aus einer anscheinend stinknormalen Situation langsam Mystisches, diesmal in wahrhaft mörderischer Form.
In einer kleinen Internet-Firma geschieht unter mysteriösen Umständen ein Todesfall. Nichts weist auf Mord hin, aber noch weniger auf Selbstmord. Kommissar Gorski ist ratlos. Sämtliche Anhaltspunkte erweisen sich als Sackgassen, zumal ein recht bodenständiger Zeuge die Situation recht genau beschreiben kann.
Zufällig lernt er die Parapsychologin Ellen Sandler kennen, und die setzt sich mit kriminologischem Geschick in die Bibliothek einer Loge, um auf die Jagd nach dem Phänomen, das inzwischen munter weiter mordet. Die Spuren führen bis in das erste Jahrhundert der Zeitzählung und nach Syrien.
Außer Komissar Gorski will allerdings in der Mordkommission niemand an übersinnliche Kräfte glauben, allerdings sitzen die Kollegen weiterhin mit leeren Händen da, und die Presse macht ihnen die Hölle heiß ....
Martin Schemm ist ein weiterer großartiger Mystery-Thriller gelungen, und wir hoffen,
dass wir auf das dritte Buch nicht wieder 6 Jahre warten müssen.
Deutschland in 30 Jahren
Gefunden in "Mittelbadische Presse", 02.08.2005
Lesevergnügen und Nachdenklichkeit
Dass die Rente nicht mehr sicher ist, wissen die Bürger jedes
Mal, wenn Politiker darüber reden. Da wird es den heute 30- bis
40-Jährigen Angst und Bange um ihren Lebensabend.
Wie der nun tatsächlich aussehen mag, weiß natürlich auch keiner.
Trotzdem haben sich Autoren darüber Gedanken gemacht, wie
»Deutschland in 30 Jahren« wohl aussehen wird. Herausgekommen ist
dabei ein witzig verquertes Buch, das zum Lachen, aber vor allem zum
Nachdenken anregt. Eine ideale Lektüre für einige Augenblicke.
Viele der über 50 Kurzgeschichten mögen aus heutiger Sicht völlig
abstrus und irreal erscheinen. Doch das war bei George Orwells
»1984« auch der Fall. Der Klassiker der Science-Fiction-Literatur
ist mittlerweile überholt. Gerade die Vielfalt und Vielzahl der
Erzählungen und Autoren bewahren dem Leser einen positiven Blick in
die Zukunft.
Würdiges Altern
Einer der Autoren ist der ehemalige Redakteur der MITTELBADISCHEN
PRESSE, Thomas Hoeth. Seine Geschichte »Die Beiwohnerin« führt uns
zurück zur Rente. Und in Deutschland ist – wie man es heute schon
erwartet – die Rente nicht mehr sicher. Es kommt noch viel
schlimmer. Die »Partei für würdiges Altern« hat die Wahl gewonnen
und die Macht übernommen. Sofort werden alle Altersheime geschlossen
und die Rentner in fremden Familien untergebracht, die für sie mit
aufkommen müssen. Denn das Senioren-Beiwohngeld reicht nicht aus.
Und die fremde Frau, die beim Helden der Geschichte einzieht, ist
doch
gar nicht so fremd wie sich herausstellt.
Dass da Turbulenzen zum Alltag werden, dass der Generationenkonflikt
aus den Altersheimen wieder in die Familien zurückkehrt, ist klar
und
macht die Geschichte liebenswert.
Bei allem Zukunftsgetöse,gibt der Text so auch einen Blick auf die
Gegenwart preis. Neben dem Lesevergnügen stellt sich auch das
Nachdenkliche ein. Von solchen Geschichten wimmelt es in dem Buch,
das aus einem Internet-Wettbewerb
von »textzeichen.de« für Nachwuchsautoren entstand.
Gefunden im Bocholter-Borkener Volksblatt (14.04.05) und in rp-online:
Düsseldorf (rpo). Einen Blick in die Zukunft wollen wir anlässlich schlechter Konjunkturprognosen und Massenarbeitslosigkeit gerne werfen können. Und Visionen für das Deutschland der Zukunft gibt es schließlich reichlich. Das haben sich auch die Autoren des politischen Sammelbandes "Deutschland in 30 Jahren" gedacht und und dabei bittere und gleichzeitig sarkastische Szenarien um die 14. Neuentwicklung von Hartz und Gesundheitsreform gesponnen.
Ob Männer gegen Frauen, Alt gegen Jung oder Arm gegen Reich – in vielen Visionen der 54 Autoren bestimmt Gewalt das tägliche Leben 2035 in Deutschland. Aber immer wieder schimmert glücklicherweise etwas Hoffnung durch. In der Geschichte „Der Supermarkt“ von C. A. R. Bartoszak des politischen Sammelbandes "Deutschland in 30 Jahren" entschließt sich beispielsweise das Militär in letzter Minute, nicht wie befohlen auf die hungernden Landsleute zu schießen, die einen Supermarkt plündern.
Deutschland versinkt zwar nicht in vielen Texten so in Armut und Bedeutungslosigkeit, doch bleibt einem auch in den Vollbeschäftigungs-Phantasien das Lachen oft im Hals stecken. In „Der letzte Landsteicher“ zündet Stefan Bouxsein ein Feuerwerk der Ideen von Zahnweiß-Pillen mit Darmreinigungseffekt bis zu atmungsaktiven Hemden mit fettabsaugenden Vakuumnoppen im Hüftbereich. In seiner Erzählung ist Deutschland durch Innovationen wieder zum Wirtschaftswunderland geworden. Doch: Alle denken nur an die Arbeit, keiner daran, was wird, wenn der Boom vorbei sein wird. Wer an unsere reale Geschichte zurückdenkt, den wird diese Aussicht also kaum beruhigen.
Überhaupt sind die Beiträge mit Bezug zur Wirklichkeit besonders stark. So haben in Thorsten
Schrinners prämierter Erzählung „Frohes Fest“ die Unternehmen endgültig die Macht übernommen. Das Bruttosozialprodukt ist mutiert, alles wird dem Profit untergeordnet. Den Bürgern entgeht, dass die Rentner in ihren Vorstadt-Seniorenheimen viel zu wenig essen.
Aber nicht alle Autoren sehen alte Menschen in der Zukunft als Opfer. Jessika Jäger-Köhler hält eher die jüngeren für benachteiligt, die bereits seit 2014 zwangsweise Rentner in ihren Haushalt aufnehmen müssen. In Thomas Hoeths „Die Beiwohnerin“ terrorisiert eine Rentnerin den „Versorger“ der ihr zugewiesenen Pflegefamilie. Rixa von Erlenbachs „Gero-Rally“ zeigt, das Opfer schnell zu Tätern werden, wenn es darum geht, einen Vorteil zu bekommen.
Natürlich darf in einem solchen Sammelband die Gedankenpolizei nicht fehlen. Aus den entsprechenden Beiträgen ragt Mario Mosler mit einem besonders aktuellen Bezug heraus. 2035 ist nicht die Arbeitslosigkeit das drängenste Problem, sondern mangelnder Konsum. Mosler formuliert in den Worten der Hartz-Regelungen eine Verpflichtung zum Konsum: Hartz XIV. Wer nicht willig kauft - eine Tatsache die durch Gedanken-Scanning überprüft wird - wird seinem Konsumberater vorgeführt
...
Gefunden auf halleforum.de,
Eintrag vom 07.01.2005 22:11 Uhr
Das Weihnachtsgeschäft hat sie zwar um 14 Tage verpasst, doch nun ist die Anthologie "Deutschland in 30 Jahren" erschienen. 54 größtenteils unbekannte Autoren wagen realistische bis provokante Blicke in die bundesdeutsche Zukunft. Kann das gut gehen?
Beim Lesen dann das dezente Erschrecken: die schreiben ja fast so wie ich, negative Utopien mit satirischem Grundton. Betont nicht auf den Punkt gearbeitet, aber doch immer mit Blick auf Erzählökonomie und Pointe. Und fast immer wird EU-Europa als zerfallendes Imperium beschrieben, wie das Römische Weltreich in der Teilungsphase. Ostrom hat sein Zentrum immer noch in der heutigen Türkei, Westrom wird irgendwo in Polen oder im Baltikum wahrgenommen. Und Deutschland ist die Kampfzone, vielfach geteilt und von medialem Rinderwahn zerfressen.
Die neokommunistische Revolution ist auch schon wieder Geschichte, vom Imperium locker integriert. Intelligente neoliberale Nashörner geben sich technischen Utopien hin, die Menschen sind Duckmäuser oder im Widerstand. Ihre Hacker und Implantate stammen zweifellos von Gibson und Sterling, ihre Bücherverstecke von Bradburry. Die Politik ist im Jahre 2035 so hirnrissig wie immer und der staatliche Kontrollzwang allgegenwärtig.
Obdachlose werden in den Kalischächten Thüringens endgelagert oder dürfen als Ich-Regenten über eine Parkbank in Gifhorn herrschen. Die Angepassteren haben einen Minijob als Herzchirurg oder kontrollieren als Gesundheits-Blockwarte Wohnungen von Versicherten. Im Arbeitslosenlager warten Sozialzombies auf ihr Arbeitslosengeld III. Hartz 14 macht den Konsumverweigerern Beine. Beim Smogalarm sollte man seine Sauerstoffflasche griffbereit haben. Mutierte Supererdbeeren werden zum allgegenwärtigen Dschungel, Brötchen gibt es nur noch online und nach der achten Rechtschreibreform ist Deutsch ein kurioses Neusprech.
Die Big-Brother-Show ist ein immer wiederkehrendes Motiv, Teile der Bevölkerung werden umschichtig ins "Big Lager" eingeliefert. Die zu Hause Gebliebenen müssen zwangsweise tödliche Spielshows und
Embryonencastings schauen. Die besondere deutsche Geschichte wird im Wortsinn aufgearbeitet. Das nuklear verseuchte Palästina möbliert man einfach mit deutschen Plastik-Gartenzwergen. Der Geschlechterkrieg findet wieder in realen Schützengräben statt, freier Sex ist schon eine Widerstandshandlung, vom "Liebesamt" streng verfolgt.
Alte werden zwangsweise bei Besserverdienenden einquartiert, eingefroren oder unter elenden Bedingungen in Altenghettos gehalten. Kinder sind entweder hochbegabte Designerbabys oder behindert und leben dann wie Anne Frank im Versteck. Kindersoldaten im Grenzdienst verteidigen den "Pennermarkt" gegen Plünderer. Es gibt nur eine wirklich positive Utopie in dem ganzen Buch: Stefan Bouxseins "letzter Landstreicher" erzählt, wie glänzend Mitteldeutschland den Sprung ins Solarzeitalter
schafft ...
Gefunden auf amazon.de:
Eigentlich hatte ich dieses Werk als Schnellgeschenk
für meine politisch rosarotbrillige Freundin gekauft und wollte nur
kurz reinschnuppern. Aus dem Reinschnuppern ist ein vergnügtes
Lese-Weekend geworden. Es reichte vom Schmunzeln, über herzhafte
Lacher bis zum "Mein-Gott-ist-das-Gewagt". Meinen Chapeau
ziehe ich besonders vor Thorsten Schrinner, Gunnar Kaiser und
Karlheinz Wedel.
Ein köstlicher satirischer Ausblick
Einen köstlichen satirischen Ausblick auf die kommenden 30 Jahre in
Deutschland bieten viele Geschichten in dieser Anthologie. Besonders
gut hat mir "Deutschland und seine Fruchtzwerge" von
Karlheinz Wedl gefallen. Ein Prachtstück ist auch "Das
Teutonikum" von Christian Pohlenz. Wer gerne Satiren liest, für
den ist diese Anthologie ein absolutes Muss.
Anthologie der rätselhaften Phänomene
Gefunden im Quarber Merkur
102, Franz Rottensteiners Literaturzeitschrift für Science Fiction
und Phantastik, S. 125f.
Diese Anthologie bietet eine umfangreiche
Zusammenstellung von Texten der verschiedensten Verfasser, in denen
rätselhafte Ereignisse vorgestellt werden, die meist keine Erklärung
finden; das Spektrum reicht von traditionellen Gespenstergeschichten
über surreal anmutende Texte zur Groteske und Humoreske. Die
Geschichten sind in der Regel nicht schlecht geschrieben, manche
warten mit Knalleffekten auf, andere begnügen sich damit, das Rätsel
zu beschreiben und stehen zu lassen. Oft ist auch der Erzähler
unzuverlässig, denn es besteht der Verdacht, dass er nicht ganz
normal ist und an Wahnvorstellungen leidet. Inhaltlich findet sich
allerlei Kurioses, aber auch einige originelle Einfälle, z.B. wird
von einem jungen Mann berichtet, der jede Sprache sofort perfekt
besprechen kann, wenn er nur einige Sätze davon hört, und diese
Fähigkeit auch in die Vergangenheit hinein, auf ausgestorbene
Sprache, ausdehnt, bis er allerdings die Bestätigung liefert, dass
der Sprachwirrwarr auf der Erde tatsächlich durch den biblischen
Turmbau von Babel verursacht wurde. Ein Mann von außerordentlicher
Ausdauer bei der Arbeit und dem Tanzen ist offensichtlich ein
außerirdischer Roboter, der sich von Zeit zu Zeit im Wald "aufladen"
muss; sein leuchtender Penis schreckt die Erzählerin aber doch eher
ab. Der Kaffee, der in einer bestimmten Kaffeemühle gemahlen wird,
zeigt den Tod an, hier mit einer kleinen Pointe, dass sich die
Betroffenen irren, wen es wirklich trifft. In Martin Schemms "Das
Hügelgrab" wird der, der es öffnet, von einem bösartigen
Gespenst verfolgt und ihn trifft eine böse Strafe. Die
Fähigkeit, seine Wünsche wahr werden zu lassen, ist eine
zweifelhafte Segnung, weil auch unbedacht Ausgesprochenes
buchstäblich wahr wird. Eine rätselhafte Wolke über einem Dorf führt
zu beklemmenden Veränderungen, die den Betroffenen aber nicht
bewusst werden. "Photophagen" fressen das Licht auf. Flüche pflanzen
sich von Generation zu Generation fort, Zeitverschiebungen treten
ein, manchmal sind es sozusagen touristische Ausflüge in die
Vergangenheit, wie einer ins römische Ephesos, aber auch
unheimlichere Versetzungen passieren. Einige Geschichten schließen
an bekannte Motive an, etwa an "Undine". Manche der geschilderten
Ereignisse sind nur beunruhigend mysteriös, andere liebenswürdig
märchenhaft, wieder andere aber sind definitiv unheimlich und
tödlich. Eine abwechslungsreiche Sammlung meist kurzer Geschichten
von Autoren wie Martin Schemm, Jörn Dittmer, Tolya Glaukos, Gabriele
Hasmann und vielen anderen. - Franz Rottensteiner
Gefunden auf amazon.de:
Stoff für spannende Leseabende Schmöker in
die Hand, rauf auf die Couch, Kerzen an, Handy aus und dann
abtauchen in eine Welt voller seltsamen Phänomene. Ein Geist steigt
aus einem Hügelgrab, der Fluch einer uralten Kaffeemühle stört
die Idylle eines Urlaubspärchens, ein Kind spricht alle Sprachen
der Welt, ein Liebespaar der Neuzeit begegnet im Wald einem
Liebespaar aus dem Mittelalter und viele Kuriositäten mehr.
Kompliment an die Autoren, die mir viel Lesevergnügen bereitet
haben.
fette spannung habe mir das buch wegen des covers gekauft und
als ich es aufschlug, ließ es mich nicht mehr los. seltsames phänomen!
nur zwei erzählungen fand ich ein bisschen heftig, deshalb gibts
nur vier sterne, aber die restlichen 37 haben fett gefesselt.
krasses lob! und mywunsch: noch so eins! alix (bluemchen)
Gefunden auf brigitte.de, Forum: Buchtipps: was
lesen Sie gerade:
"Hallo Yara, richtig schöne
Schmöker-Kuschel-Bücher sind "Anthologie der rätselhaften Phänomene"
(schaurig schöne Geschichten; ISBN 3933570077) und "Die Stadt
der Blinden" von Jose Saramago (irre fesselnder Roman; ISBN
3499224674) ... Liebe Grüße, Micha--- Michael Krause
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