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Gerhard Bronner: Spiegel
vorm Gesicht, DVA
Gerhard Bronner, geboren 1922 in Wien,
gehört neben Helmut Qualtinger und Georg Kreisler zur Elite
der österreichischen Kleinkunstszene. In seinen Erinnerungen
erzählt er, wie aus dem gejagten Judenjungen der große
Kabarettist, Texter, Komponist, Theater- und Barbesitzer und
TV-Entertainer geworden ist. Die Familie starb im Holocaust,
der Freund ertrank auf der Flucht nach Palästina in der
Donau. Und auch im "Gelobten Land" entging Bronner
dem Tod nur knapp. Von Wien aus "eroberte" er nach
dem Krieg ein breites Publikum, wurde aber auch immer wieder
von Antisemiten heftig angegriffen. Bronners Erinnerungen sind
teils beklemmend, teils heiter, oft spöttisch, manchmal
bitter und immer wieder voller Liebe und Bewunderung für
seine Weggefährten. Wer zu diesem Buch greift, wird es
"in einem Zug" lesen und dabei vielleicht so manchen
"Hit" aus Bronners Werken vor sich hinsummen. | Hans
Walter Grössinger
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Martin Doerry: Mein
verwundetes Herz, Das Leben der Lilli Jahn 1900-1944 (dtv)
Bücher über den Holocaust, die Verfolgung
der Juden, gibt es mittlerweile wie Sand am Meer, was durchaus
nicht negativ zu bewerten ist. Anne Franks Tagebuch ist sicher
das bekannteste unter ihnen und mittlerweile Pflichtlektüre
in der Schule. Da ich zum einen gerne lese und mich aufgrund
meines Studiums in Geschichte auch mit dem Zweiten Weltkrieg
und der Judenverfolgung befasse, stieß ich beim Stöbern in
einer Buchhandlung auf das Buch von Martin Doerry "Mein
verwundetes Herz", das als Sachbuch des Monats Oktober
geadelt wurde. Es behandelt das Leben der Lilli Jahn, einer
Jüdin, die 1944 in Auschwitz umkam. Was mich an dem Buch
ansprach war die Tatsache, dass dort die viel zu kurze
Lebensgeschichte dieser Frau in Briefen erzählt wird- Briefe,
die Lilli an ihren Verlobten und späteren Ehemann schrieb
sowie an ihre Freundinnen und an ihre Kinder, als sie bereits
inhaftiert war. Und das unterscheidet das Buch von der breiten
Masse. Martin Doerry hat 270 noch vorhandene Briefe
ausgewertet, sie im Buch mit kurzen Anmerkungen versehen für
sich sprechen lassen.
Lilli wird im Jahr 1900 als Tochter des
jüdischen Ehepaars Schlüchterer in Köln geboren. Zwei Jahre
später folgt die Schwester Elsa. Die Schlüchterers sind sehr
angesehen in der Stadt, Kölner Bürger, der Vater, Josef,
Fabrikant. Somit können sie ihren Kindern einiges
ermöglichen. Lilli studiert nach der Schule Medizin, die
Schwester Chemie, zu einer Zeit, wo beide sich unter die
ersten Frauen einreihen, die studieren dürfen.
Lilli lernt Ernst Jahn kennen, der wie sie Medizin studiert.
Sie verloben sich und hier beginnen die ersten Briefwechsel
...
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Man fühlt
mit Lilli, den Kindern, Ilse, die trotz allem ihren jüngeren
Schwestern Normalität vorlebt und nach ihrem Besuch im Lager
Breitenau selbst ahnt, dass die Mutter sich in akuter
Lebensgefahr befindet. Damit trägt sie eine schwere Bürde,
ist sie doch auch Mutterersatz in den schweren Zeiten des
Krieges. Die tauben Ohren des Vaters und seiner
"neuen" Frau machen wütend, die Lillis Kindern
gegenüber stets reserviert blieb, und zugleich betroffen,
weil der Egoismus stärker war. Ich kann das Buch empfehlen, muss
aber betonen, dass ich beim Lesen teilweise ganz schön
schlucken musste, denn dies ist eine wahre Geschichte, keine
Fiktion, dadurch aber auch greifbarer.
"In den letzten Tagen habe ich die
Familien beneidet, die alle zusammen fortgebracht wurden. Aber
wenn ich's recht bedenke, ist es mir trotz aller tiefen
Sehnsucht und allem Trennungs-Schmerz leichter, Euch in
geregelten Verhältnissen zu wissen und Euch verschont zu
sehen von all dem Widerwärtigen und Hässlichen. Ich habe nur
den einzigen heißen Wunsch, Euch alle gesund wiederzusehen
… Er selbst (Ernst Jahn) und niemand anderes soll nochmals
alles versuchen, und wenn er sich an die höchsten Stellen
nach Berlin wendet…" (Seite 326), Auf dem Transport
nach Auschwitz | Rixa von Erlenbach
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