Stefan Bouxsein
Ich hatte es mir gerade gemütlich gemacht, als es an meiner Tür
klingelte. Missmutig quälte ich mich aus meinem Sessel und fragte
mich, wer bloß an einem verregneten Montagabend bei mir klingeln
konnte. Ich hätte ja mit allem und jedem gerechnet, aber als ich
die Tür öffnete und der Pfarrer vor mir stand, war ich erst mal
baff.
"Guten Abend Herr Bremer. Ich war gerade in der Nähe und
dachte mir, ich schau mal bei Ihnen vorbei."
Ich überlegte fieberhaft, wie ich den guten Mann am elegantesten
wieder los werden könnte, mir fiel aber partout nichts ein.
"Na dann kommen Sie mal schnell rein, Herr Pfarrer, Sie werden
ja ganz nass da draußen." Und da war es schon wieder passiert.
Ich war einfach zu weich, konnte anderen Leuten nicht vor den Kopf
stoßen, dem Pfarrer schon gar nicht. Meine Oma pflegte immer zu
sagen, ich wäre viel zu gut für diese Welt. Meine Oma war es auch,
die mich jeden Sonntag mit in die Kirche genommen hatte. Der alte
Pfarrer hatte mich immer den braven Hans genannt. Drum wurde ich
auch sein Lieblings-Messdiener. Der neue Pfarrer nannte mich Herr
Bremer, seit dem Tod meiner Oma hatte ich keinen Gottesdienst mehr
besucht.
Der neue Pfarrer, er war in etwa in meinem Alter, hängte seinen
durchnässten Mantel an meine Garderobe und machte es sich im
Wohnzimmer bequem. Krampfhaft überlegte ich, was ich mit dem
Pfarrer jetzt anstellen sollte. Wenn ich schon mal Besuch habe,
dachte ich mir, könnte ich ja mal eine Flasche Rotwein öffnen. Der
Pfarrer wehrte zwar erst ab, als ich aber den guten Tropfen
einschenkte, genehmigte er sich doch ein Schlückchen. Anscheinend
wusste er wohl auch nicht so recht, wie er nun mit mir verfahren
sollte. Er gönnte sich noch einen kräftigen Schluck von dem Roten,
räusperte sich und ließ dann endlich die Katze aus dem Sack.
"Sie wissen ja, dass ich jetzt schon bald zwei Jahre lang in
der Gemeinde meinen Dienst tue. Mein Vorgänger hat mir da ja eine
schöne und gepflegte Gemeinde überlassen. Soweit ich weiß, waren
Sie ja auch immer ein eifriger Kirchgänger gewesen, sogar als
Messdiener waren Sie in Ihrer Jugend aktiv. Ich kann mich noch gut
erinnern, wie mein Vorgänger immer voll des Lobes über den Hans
Bremer gewesen war."
Der Pfarrer hielt inne und leerte sein Weinglas. Ich schenkte ihm
das Glas wieder voll, dankbar nahm er noch einen Schluck und kam
dann wieder zu seinem Anliegen.
"Ich frage mich schon seit einiger Zeit, ob es denn an mir
liegt, dass Sie unsere schönen Gottesdienste nicht mehr besuchen.
Ich dachte mir, ich frage Sie mal ganz offen. Denn nur so bekommt
man ja Antworten auf seine Fragen. Nicht wahr?"
Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf, eigentlich hatte ich
gar keine plausible Antwort auf seine Frage. Jetzt stärkte ich mich
erst mal mit einem großen Schluck Rotwein.
"Ach wissen Sie, Herr Pfarrer, das hat mit Ihnen gar nichts zu
tun. Es ist ja so, dass meine Oma mich schon als kleinen Bub immer
mit in den Gottesdienst geschleift hat. Der alte Pfarrer, der
predigte immer von der Sünde. Jeden Sonntag stand er auf der Kanzel
und mahnte uns zur Vorsicht. Die Sünde würde hinter jeden Ecke auf
uns lauern, pflegte er immer zu sagen. Davon war ich damals in den
Gottesdiensten schwer beeindruckt. Immer wenn ich dann irgendwo um
eine Ecke gegangen bin, dachte ich mir, dass da bestimmt eine Sünde
lauern würde. Aber ich habe nie eine gefunden. Das fand ich schon
als Kind sehr enttäuschend und ich fing an mich zu fragen, wo der
Pfarrer bloß immer hinging, wenn er es schaffte, hinter jeder Ecke
auf eine Sünde zu stoßen."
Mein Besuch schmunzelte sichtlich erfreut über meine Ausführungen.
Sein Glas war schon wieder leer. Ich schenkte ihm nach, bevor ich
mich weiter bemühte, ihm seine Frage zu beantworten.
"Später, als ich so vierzehn oder fünfzehn war, begriff ich
dann langsam, was der Pfarrer damit gemeint haben könnte. Die
Uschi, die war in meinem Alter und wohnte gleich nebenan, die
entwickelte sich zu einem hübschen Mädchen. Die hatte plötzlich
richtige Brüste und ich konnte an nichts anderes mehr denken. Immer
wenn der Pfarrer am Sonntag auf der Kanzel stand und uns mit
erhobenen Zeigefinger vor der Sünde warnte, dachte ich an die
Uschi. Und an das, was ich gerne alles mit ihr anstellen
würde."
"Aber das ist doch ganz normal in diesem Alter. Ich hatte
damals auch so eine Uschi um die Ecke wohnen. Ich war genauso
verknallt in dieses Mädchen, wie jeder andere Junge in unserer
Straße." Der Pfarrer strahlte, als er sich an seine frühe
Jugend zurück erinnerte und schien davon wieder Durst bekommen zu
haben. Die Flasche war mittlerweile leer. Ich besorgte eine neue und
fragte mich, ob dem Herrn Pfarrer seine Uschi wohl genauso ein
heißer Feger gewesen war, wie meine Uschi. Kaum war ich mit der
vollen Weinflasche zurück im Wohnzimmer, hielt mir der Pfarrer auch
schon durstig sein leeres Glas entgegen. Je mehr der Pfarrer von
meinem Wein soff, desto größer wurde mein Bedürfnis, ihm meine
Geschichte zu erzählen.
"Na jedenfalls wusste ich jetzt, hinter welcher Ecke die Sünde
auf mich lauern würde. Ich tat alles mögliche, um mich vor Uschi
zu profilieren. Aber für Uschi war ich einfach nur Luft. Die Sünde
lauerte, aber sie lauerte nicht auf mich, sondern auf alle anderen.
Uschi wechselte ihre Liebhaber schneller, als ich meine
Socken."
Der Pfarrer prustete vor Lachen und klopfte sich auf die Schenkel.
Sein Glas schenkte er sich mittlerweile selber voll, während er mir
vergnügt von seinen Erinnerungen berichtete.
"Ganz wie meine Uschi, damals. Die hat auch nix anbrennen
lassen. Ich war gerade siebzehn, als sie mir gezeigt hat, wo der
Hase lang läuft."
So langsam fing ich an, mich über den Herrn Pfarrer zu wundern. Er
leerte gerade die zweite Flasche Rotwein, seine Aussprache war schon
nicht mehr die deutlichste. Eigentlich hatte ich mit einer
Moralpredigt gerechnet, weil ich mich nicht mehr in seiner Kirche
blicken ließ. Aber der Mann Gottes saß in meinem Sessel, ließ
sich voll laufen und erzählte mir von seiner Uschi, mit der er
anscheinend weit mehr Erfolg hatte, als ich mit meiner. Ich holte
die dritte Flasche Wein und fragte mich, wie es der Herr Pfarrer
denn heute so hielt, mit den Uschis dieser Welt. Doch als ich die
Flasche entkorkt hatte und sein Glas wieder füllte, fragte er mich
ganz unverblümt, ob ich denn meine Uschi noch geknackt hätte. Der
wurde immer lustiger, während ich ihm weiter von meiner erfolglosen
Jagd nach der Sünde berichtete.
"Ich ging weiter jeden Sonntag zum Gottesdienst und hörte dem
alten Pfarrer eifrig zu, wie er über die Sünde wetterte. Ich hatte
gehofft, aus seiner Predigt zu erfahren, wie ich es am besten
anstellen könnte. Aber der alte Pfarrer sprach immer nur von der
bösen Sünde der Fleischeslust, ohne dabei auf Einzelheiten
einzugehen. Ich saß dann immer in der Kirchenbank und hatte das
Gefühl, dass alle anderen sich schämten, weil sie ständig mit
dieser Sünde zu kämpfen hatten. Nur um mich schien diese Sünde
einen riesigen Bogen zu machen. Für Uschi blieb ich Luft und auch
all die anderen Uschis, die ich im Laufe der Zeit begehrte, zeigten
keinerlei Lust auf mein Fleisch. Ich fühlte mich wie ein
Aussätziger. Mein bester Freund Karl entwickelte sich derweil zum
Stammgast im Beichtstuhl. Seine Beichte war immer die Gleiche, nur
der Name seiner Uschi wechselte von Woche zu Woche."
Der Pfarrer freute sich diebisch, als ich die Sache mit dem
Beichtstuhl erwähnte. "Ach Herr Bremer, das sind doch immer
die gleichen Geschichten, die wir da im Beichtstuhl zu hören
bekommen. Ich kann mich noch gut erinnern, wie es war, als ich im
Beichtstuhl saß und zaghaft von den ersten Erlebnissen mit meiner
Uschi beichtete. Mein damaliger Pfarrer wusste natürlich sofort,
wer ihm da seine Sünden offenlegte. Dieses Schlitzohr wollte es
dann ganz genau wissen. In allen Einzelheiten musste ich ihm
beichten, wie ich mich der Fleischeslust hingegeben habe. Schwamm
drüber, jetzt ruht er in Frieden, der gute Mann."
Der Pfarrer griff schon wieder zum Glas, meine Vorräte neigten sich
dem Ende. Plötzlich stand er auf. Ob er mal meine Toilette benutzen
dürfte, fragte er, und lallte schon recht ordentlich. Ich zeigte
ihm den Weg, er schien es eilig zu haben und schwankte davon. Den
Wein hatte er tatsächlich geleert. Ich besorgte uns noch zwei
Flaschen Bier, da saß er auch schon wieder zufrieden auf meinem
Sessel und sah mich fragend an.
"Jetzt weiß ich aber immer noch nicht, warum Sie sonntags
nicht mehr die Gottesdienste besuchen. Hat es was mit Ihrer Uschi zu
tun?"
Das versuchte ich ihm ja verzweifelt zu erklären, während er sich
in meinem Sessel voll laufen ließ. "Die Sache ist doch die,
Herr Pfarrer. Sie stehen auf der Kanzel und wettern gegen die
Sünde. Sie wollen gute Menschen aus uns machen. Das geht aber nur,
wenn wir als schlechte Menschen in Ihre Kirche kommen. Und das
schaffe ich einfach nicht. Sehen Sie, ich arbeite von montags bis
freitags bei der Versicherung. Ich sitze den ganzen Tag im Büro und
bin mit der Schadensregulierung beschäftigt. Da komme ich einfach
nicht zum Sündigen, alles geht seinen geregelten Gang. Und samstags
ziehe ich immer los und mache Jagd auf Uschis, wenn Sie
verstehen."
"Wir Männer sind ja auch Jäger und keine Sammler", hielt
er mir freudig entgegen und prostete mit zu.
"Da mögen Sie ja recht haben, Herr Pfarrer. Ich bin aber ein
schlechter Jäger und komme fast jede Nacht ohne Beute heim."
"Aber Herr Bremer, Sie sind doch ein stattlicher Mann. Da wird
doch mal eine klitzekleine Uschi für Sie abfallen. Auch wenn ich
ein Pfaffe bin, so lebe ich doch nicht hinter dem Mond. Sie brauchen
doch nur mit dem Finger zu schnippen und schon haben Sie sich eine
niedliche Uschi geschnappt, stimmt's? Ja sagen Sie mal, jetzt weiß
ich immer noch nicht, warum Sie unserer schönen Gemeinde fern
bleiben."
Ich war am Verzweifeln. Der wollte mich einfach nicht verstehen. Wie
sollte er auch, sein Bier war schon wieder leer. Ich fühlte mich
wie der geborene Verlierer, besorgte frisches Bier und unternahm
einen letzten Versuch, diesem Pfarrer zu erklären, warum ich seine
Predigten nicht benötigte. "Es ist doch so, Herr Pfarrer.
Jeden Sonntag versammeln sich die reuigen Sünder in Ihrer schönen
Kirche und laben sich an Ihrer Predigt. Würde ich zwischen denen
sitzen, mich würde nur mein schlechtes Gewissen plagen. All die
Sünden, vor denen Sie uns warnen und befreien wollen mit Ihrer
Predigt, die sind mir fremd geblieben. Wie soll ich denn als reuiger
Sünder in die Kirche kommen, wenn es mir partout nicht gelingt, der
Sünde zu verfallen? Da komme ich mir doch vor, wie ein Blinder im
Fußballstadion."
Endlich schien der Pfarrer den Ernst der Lage erkannt zu haben. Er
nickte bedächtig und sagte mit nachdenklichem Gesicht. "Da bin
ich aber froh, dass wir jetzt mal darüber gesprochen haben. Aber
keine Sorge Herr Bremer, da finden wir schon eine Lösung, wir zwei.
Haben Sie vielleicht noch einen kleinen Schnaps? So ein Kurzer am
Abend, da kann ich besser über Probleme nachdenken, müssen Sie
wissen."
Ein Schnaps macht den Bock jetzt auch nicht mehr fett, dachte ich
mir, und erfüllte dem Pfarrer seinen Wunsch. Da klingelte es schon
wieder an meiner Tür. Es war fast Mitternacht. Verwirrt öffnete
ich die Tür. Vor mir stand meine Nachbarin im Schulmädchen-Kostüm
und in ihrer Begleitung befand sich eine zweite hübsche junge Frau,
verkleidet als Nonne. Der Alkohol hatte auch bei mir seine Wirkung
nicht verfehlt, ich starrte die beiden an und war mir sicher,
Halluzinationen zu haben. Den besten Eindruck machte ich anscheinend
nicht, die beiden sahen sich an und kicherten verlegen. Meine
Nachbarin, die Frau Berger, riss sich dann am Riemen und sah mir mit
einem freundlichen Lächeln entgegen.
"Entschuldigung für die späte Störung, Herr Bremer. Aber wir
haben gesehen, dass bei Ihnen noch Licht brennt. Meine Freundin und
ich kommen nämlich gerade von einer Faschingsparty und morgen
müssen wir wieder früh raus. Dummerweise habe ich keinen Kaffee
mehr und den werden wir brauchen. Da dachte ich mir, ich frage mal
meinen netten Nachbarn, ob er mir vielleicht aushelfen kann."
"Aushelfen?", fragte ich verwirrt. Die beiden sahen
einfach zum Vernaschen süß aus.
"Ja, mit Kaffee. Nur für zwei oder drei Tassen."
"Ach so, Kaffee. Ja, da muss ich mal überlegen. Irgendwo habe
ich Kaffee. Kommen Sie doch kurz herein."
Die beiden folgten mir ins Wohnzimmer, wo ich sie mit dem Pfarrer
bekannt machte.
"Ich gehe kurz in die Küche und fülle den Damen etwas
Kaffeepulver ab", sagte ich.
"Mensch Bremer, was heißt denn hier Kaffeepulver abfüllen?
Kochen Sie mal einen guten Kaffe für uns und für die Damen. Wenn
Ihnen der Himmel schon ein so reizendes Schulmädchen in Begleitung
einer katholischen Schwester schickt, sollten wir uns doch von
unserer besten Seite zeigen. Und einen starken Kaffee brauche ich
jetzt sowieso."
Dass der Pfarrer meine Nachbarin so offenherzig einlud, gab mir zu
denken. Warum gelingt mir das nicht, wenn nicht einmal der Pfarrer
ein Problem damit hat, fragte ich mich, und fühlte mich nicht
gerade wie ein Held. Ich zog mich in die Küche zurück und brühte
frischen Kaffee auf. Im Wohnzimmer ging es hoch her, der Pfarrer
erzählte lautstark Geschichten und die Frauen amüsierten sich
anscheinend köstlich darüber. Dieser Abend wurde mir immer
suspekter. Als ich mit dem frisch gebrühtem Kaffee ins Wohnzimmer
kam, lag meine Nachbarin ausgestreckt auf meiner Couch und die Nonne
saß auf dem Fußboden vor dem Sessel des Pfarrers.
"Da haben Sie aber eine nette Uschi als Nachbarin", rief
mir der Pfarrer unverblümt entgegen. Die Frau Berger schien sich
nicht daran zu stören, eine Uschi zu sein. Im Gegenteil, sie
räkelte sich auf meiner Couch, als wäre sie hier Zuhause. Ich
konnte nicht so recht begreifen, was da um mich herum geschah und
hörte auch auf, mir irgendwelche Gedanken zu machen.
"Ihre katholische Schwester ist aber auch eine
Augenweide", erwiderte ich lustig und fühlte mich das erste
Mal so richtig wohl an diesem Abend. Ich schenkte den Kaffee in die
Tassen und setzte mich dann neben meine Uschi auf die Couch. Wir
verbrachten noch ein oder zwei lustige Stunden in meinem Wohnzimmer,
irgendwann muss ich eingeschlafen sein. Als ich aufwachte, lag ich
immer noch auf meiner Couch. Der Kopf meine Nachbarin lag auf meiner
Brust, sie schmiegte sich an mich und schien sich richtig wohl zu
fühlen. Vom Pfarrer und der Freundin meiner Nachbarin war nichts
mehr zu sehen. Ohne den Pfarrer kam ich mir so ganz allein mit der
Frau Berger richtig hilflos vor. Ich traute mich kaum zu atmen, so
friedlich lag ihr Kopf auf meiner Brust. Da ich nicht wusste, wohin
mit meinen Händen, streichelte ich ihr sanft über das goldene
Haar. Das schien ihr zu gefallen, sie schnurrte wie ein kleines
Kätzlein und kam langsam zu sich. Langsam hob sie ihren Kopf von
meiner Brust und schaute nach, wo sie überhaupt war. Als sie mir
endlich in die Augen schaute, befürchtete ich schon, sie würde
schreiend aus meiner Wohnung rennen. Aber sie lächelte mich an, als
wäre ich der Prinz, auf den sie schon so lange gewartet hatte und
meine Sorge entlud sich ebenfalls in einem zufriedenen Lächeln. Mit
einem Mal wurde mir klar, dass da keine Uschi, sondern meine
Prinzessin neben mir lag.
Am nächsten Sonntag saß ich in der Kirchenbank und lauschte der
Predigt des Pfarrers. Mit der gleichen Inbrunst wie der alte
Pfarrer, wetterte auch der neue Pfarrer hoch oben auf seiner Kanzel
gegen die Sünde und die Fleischeslust. Zu meinem Erstaunen ertappte
ich mich dabei, wie ich unter dem Einfluss seiner Predigt
wohlwollend mit dem Kopf nickte. Die Uschis, die ich so lange
erfolglos gejagt hatte, waren plötzlich meine Feinde. Hinter jeder
Ecke sah ich sie lauern, nur darauf aus, das Band zwischen meiner
Prinzessin und mir zu zertrennen. Gestärkt für den Kampf gegen die
Uschis verließ ich nach dem Gottesdienst die Kirche und zog
zuversichtlich meines Weges.
Wohin allerdings der Pfarrer mit der Freundin meiner Nachbarin in
dieser denkwürdigen Nacht verschwunden war, ist mir bis heute ein
Rätsel.
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